
20 Jahre FiN – Familien in Not:
Gemeinsam für Teilhabe und Zusammenhalt.
Am 11. Juni 2026 hat Familien in Not – FiN in der Michaeliskirche in Hildesheim 20-jähriges Bestehen gefeiert. Seit 15 Jahren ist FiN auch als Stiftung aktiv und setzt sich für Familien ein, die durch Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit oder andere Schicksalsschläge in schwierige Lebenslagen geraten. Zahlreiche Gäste, Unterstützerinnen und Unterstützer genauso wie langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter kamen zusammen, um dieses besondere Jubiläum zu würdigen.
„Unsere Botschaft ist: Ihr gehört dazu“, betonte der Vorstandsvorsitzende Thomas Buschjohann in seiner Begrüßung. Die Stiftung unterstütze Familien nicht nur finanziell, sondern berate, vermittle Hilfen und begleite Menschen durch Krisensituationen. „Wir denken nicht in Zuständigkeiten, sondern in Lösungen, wir wollen Chancen schaffen und Ermöglicher sein“, fasste Buschjohann den Ansatz von FiN zusammen. Den vollständigen Begrüßungstext lesen Sie gern hier.
Anhand aktueller Beispiele schilderte FiN-Koordinatorin Jana Kuschel die Herausforderungen, mit denen Familien konfrontiert sind. So berichtete sie von einer sechsköpfigen Familie, die durch die Insolvenz des Arbeitgebers des Vaters plötzlich ohne Einkommen dastand, sowie von einer alleinerziehenden Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes zusätzlich ihre Arbeitsstelle verlor. In solchen Situationen springt die Stiftung unbürokratisch ein und hilft dabei, akute Notlagen zu überbrücken, „das Wichtigste ist, wie machen es einfach mal“, betonte Kuschel.
Zusammenhalt und niedrigschwellige Hilfsangebote
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Podiumsdiskussion über Armut, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Bedeutung niedrigschwelliger Hilfsangebote. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erinnerte daran, dass hinter jeder Diskussion über staatliche Leistungen konkrete Menschen und individuelle Schicksale stehen. Es sei wichtig, die Menschen im Blick zu behalten – mehr mit ihnen zu reden als über sie. Sorge bereite ihm insbesondere der schwindende gesellschaftliche Zusammenhalt. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass die Gesellschaft über die nötigen Voraussetzungen verfüge, um aktuelle Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.
Auch Weihbischof Dr. Martin Marahrens machte deutlich, dass Kirche eine besondere Verantwortung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen trage. Es sei wichtig, bei den Menschen zu sein, ihnen zuzuhören und sie ernst zu nehmen – unabhängig von ihrer Lebenssituation und gerade dann, wenn sie sich in prekären Verhältnissen oder persönlichen Krisen befänden. Kirche müsse nah an den Menschen bleiben und ihnen das Gefühl vermitteln, gesehen und angenommen zu sein.
Karen Thiele, Geschäftsführerin des St. Bernward Krankenhauses in Hildesheim mit rund 1.800 Mitarbeitenden, bezeichnete sich selbst mit einem Augenzwinkern als Beispiel gelebter Ökumene: Im St. Bernward Krankenhaus geboren, dürfe sie heute als evangelische Christin ein katholisches Krankenhaus führen. Thiele hob hervor, welche wichtige Rolle Arbeitgeber gerade in herausfordernden Zeiten als verlässliche Anlaufstellen und „Safe Spaces“ für ihre Mitarbeitenden einnehmen. Wertschätzung und ein unterstützendes Arbeitsumfeld seien wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihre beruflichen und persönlichen Herausforderungen bewältigen können.
Gleichzeitig machte sie auf die schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen aufmerksam. Zahlreiche gesetzliche Vorgaben, stetige Veränderungen der Regularien sowie finanzielle Einschränkungen erschwerten es Krankenhäusern zunehmend, Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende umfassend zu begleiten. Gerade Angebote, die über die reine medizinische Versorgung hinausgehen, gerieten dadurch unter Druck. Umso wichtiger sei es, gesellschaftliche Verantwortung weiterhin aktiv wahrzunehmen. Ein Beispiel dafür ist das geplante Eltern-Kind-Zentrum des St. Bernward Krankenhauses, das 2026 eröffnet werden soll. Es soll Familien von Beginn an begleiten und unterstützen und damit einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit und Teilhabe leisten.
Jana Kuschel verwies darauf, dass viele Menschen nach schweren persönlichen Krisen mit bürokratischen Anforderungen überfordert seien. Deshalb sei es entscheidend, Hilfen möglichst unkompliziert und leicht zugänglich zu gestalten.
Befähigung statt Hilfe
Besondere Impulse brachten auch die Liedermacherin Laura Braun und der Kindheitspädagoge Jonas Vogelbacherein. Beide berichteten von eigenen Erfahrungen mit Armut in ihrer Kindheit und machten deutlich, wie prägend diese Erfahrungen sein können. Vogelbacher warb dafür, Familien nicht nur zu unterstützen, sondern sie nachhaltig zu stärken: Ziel müsse es sein, Menschen zu befähigen, sie zu ermächtigen, ihre Lebenssituation langfristig selbstbestimmt zu gestalten.
Auch die Perspektive junger Menschen fand an diesem Abend ihren Platz: Schülerinnen und Schüler der Realschule Himmelsthür setzten sich in einer bewegenden Ausstellung mit dem Thema Kinderarmut auseinander und brachten ihre Sichtweisen kreativ zum Ausdruck. Den aufrührenden Abschluss der Veranstaltung bildete ein nachdenkliches Gedicht einer Schülerin über Armut und gesellschaftliche Teilhabe. Alle Bilder der Ausstellung sehen Sie hier.
Die musikalische Begleitung gestaltete die Liedermacherin Laura Braun – unter anderem mit ihrem Lied „Nullsummenspiel“, das die Auswirkungen von Armut auf Kinder und Familien eindrucksvoll beschreibt. Damit griff sie gleichermaßen das zentrale Thema des Abends auf: die gesellschaftliche Teilhabe von Familien in belastenden Lebenssituationen.
Ein weiteres Zeichen langer Verbundenheit setzte zum wiederholten Mal das Hildesheimer Unternehmen KSM Castings Group. Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung überreichte Xiaomian Sun, CEO der KSM Castings Group gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden des Unternehmens Manuel Duarte eine Spende in Höhe von 2.500 Euro an die Stiftung Familien in Not. Die Stiftung dankte herzlich für diese Unterstützung, die unmittelbar Familien in schwierigen Lebenssituationen zugute kommt.
Die Jubiläumsfeier machte deutlich, wie wichtig Solidarität, niedrigschwellige Unterstützung und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind. Seit 20 Jahren steht Familien in Not Menschen in schwierigen Lebenslagen zur Seite – damit Familien auch in Krisenzeiten die Unterstützung erfahren, die sie benötigen, und weiterhin Teil der Gemeinschaft bleiben.
Bericht FiN-Jubiläum Download PDF
Begrüßungsansprache Download PDF
Begleitende Ausstellung der Realschule Himmelsthür
© Fotos: Realschule Himmelsthür | Lion von Steimker, Diakonisches Werk Hildesheim | soweit nicht näher bezeichnet: Ulrike Franzki





















































