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Familien in Not – Jahresbericht 2019

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Aus der Arbeit von Familien in Not 2019

60 Familien aus der Stadt und dem Landkreis Hildesheim haben sich seit Jahresbeginn an FiN gewandt. Einige Anfragen aus dem weiteren Bundesgebiet konnten wir an Sozialdienste vor Ort vermitteln. Zu FiN fanden sie über das Internet oder andere Medien. Der Großteil wurde von Beratungsstellen des Diakonischen Werkes, von Jugendhilfeeinrichtungen, Ämtern, Schulen, Kindertagesstätten oder anderen sozialen Diensten vermittelt.

Notlagen

Bei den Beratungsanliegen, mit denen sich Familien an FiN wenden, geht es um die unterschiedlichsten Lebens- und Bedarfslagen:

  • Eltern mit nur geringen Einkünften möchten ihren Kindern Bildung und Teilhabe ermöglichen. Es geht um Unterstützung für Schulmaterialien, Klassenfahrten, Kinder- und Jugendfreizeiten oder Familienerholung.
  • Familien in Trennungssituationen kommen mit Fragen zum Sorgerecht, zu Umgangsregelungen, zur Unterhaltssituation oder der Existenzsicherung als alleinerziehendes Elternteil zu uns.
  • Junge Erwachsene benötigen Unterstützung bei Fragen zu Ausbildung, Auszug aus dem Elternhaus oder bei Konflikten mit den Eltern.
  • Eltern mit kranken oder beeinträchtigen Kindern bitten um Unterstützung bei der Finanzierung von Therapien und Behandlungskosten.
  • Der Bedarf an familienentlastenden Diensten wird auch von Familien mit mehreren Kindern geäußert, nach Geburt von Mehrlingen oder bei Erkrankung oder Behinderung der Eltern.
  • Vielen Familien bereitet es zunehmend Schwierigkeiten, angemessenen Wohnraum zu finden. Das gilt besonders für kinderreiche Familien, Menschen mit Schulden oder im Sozialleistungsbezug, mit Migrationshintergrund, nach Trennung oder längerem stationärem Aufenthalt. Aber auch für junge Erwachsene, die zu Hause ausziehen wollen oder müssen.
  • Darüber hinaus wenden sich Menschen in akuten materiellen Notlagen oder psychosozialen Krisen mit dringlichem Gesprächsbedarf an FiN. Dort kann FiN meist zeitnah und flexibel reagieren. So konnten wir in akuten Situationen helfen und für besondere Bedarfe Maßnahmen ermöglichen, für die sich zeitnah kein anderer Kostenträger gefunden hätte. Ein Großteil der Mittel konnte von Dritten, wie z.B. anderen Stiftungen, akquiriert werden.
  • Einige Familien werden über einen längeren Zeitraum betreut.
  • Bei einem Großteil der Ratsuchenden löst sich der Kontakt nach Abschluss einer Maßnahme oder wird an weiterführende Beratungsangebote in Kooperation mit unseren Netzwerkpartnern vermittelt. Hier zeigt sich, dass vernetztes Arbeiten mit Sozialdiensten und verschiedensten Organisationen für FiN unerlässlich ist, um Familien bestmögliche Hilfe anbieten zu können.

Runder Tisch Kinderarmut

Ein wesentliches Anliegen von Familien ist die schwierige Versorgung ihrer Kinder im Bereich Bildung und Teilhabe. FiN hat seit zwei Jahren die Federführung im Facharbeitskreis „Gemeinsam gegen Kinderarmut“ mit dem Ziel Missstände zu benennen, zu analysieren und öffentlich zu machen.

So hat FiN die Gründung des „Runden Tisches Kinderarmut“ im Landkreis Hildesheim Anfang des Jahres maßgeblich mit initiiert. Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Wohlfahrtspflege arbeiten daran konkrete Maßnahmen gegen Kinderarmut und deren Folgen in der Region zu entwickeln.

Ein erster Schritt war die Unterstützung bedürftiger Kinder bei der Einschulung 2019. Neben der städtischen Johannishofstiftung hatte nun auch der Landkreis Hildesheim Mittel zur Verfügung gestellt, um einkommensschwachen Familien den Schulstart ihrer Kinder zu erleichtern.

Das Thema Kinderarmut soll aber auch langfristig strukturell in der Sozial-, Jugendhilfe- und Gesundheitsplanung Berücksichtigung finden.

Kooperation mit der Universität Hildesheim

Erstmals gab es im Wintersemester 2018/2019 eine Zusammenarbeit zwischen FiN und Studierenden der Fakultät Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim. Fünf Studierende der Uni stellten im Rahmen ihres Praxissemesters gemeinsam mit FiN-Koordinatorin Gisela Sowa Freizeitangebote für Familien mit Kindern in Hildesheim in einer Informationsbroschüre zusammen. Aufgenommen wurden nur Angebote, die kostenfrei sind oder nur eine kleine finanzielle Belastungen bedeuten.

Zu den Aufgaben der Arbeitsgruppe zählte auch der Kontakt mit Sponsoren. Die finanzielle Umsetzung des Projekts in einer Auflage von 5000 Exemplaren sollte ausschließlich durch Drittmittel erfolgen. Hierfür konnten die Bürgerstiftung Hildesheim, die Johannishof-Stiftung und die Jugendstiftung der Sparkassen gewonnen werden. Verbreitet wurden die Flyer in Kitas, Grundschulen, im Sozialamt, Jobcenter und in Familienbüros. FiN übernahm die Begleitung und Beratung der Studierenden.

Die Flyer „Freizeit-Tipps für Familien“ sind bei FiN direkt erhältlich oder unter www.fin-hildesheim.de/freizeit/

Wie in anderen Beratungsstellen des Diakonischen Werkes bietet auch FiN Studierenden oder Absolvent*innen an, Praktika oder das Berufspraktikum im Anerkennungsjahr abzuleisten. Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten ein Gewinn. In diesem Jahr absolvierte eine Studentin bei FiN ein sechswöchiges Praktikum. Aktuell unterstützt eine Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr die Arbeit von FiN.

Veranstaltungen

Interview bei Radio ffn

Am 20. Februar übertrug Radio ffn in der Sendung „Hilfe interaktiv“ den Mitschnitt eines Interviews. Gisela Sowa, Koordinatorin von FiN, hatte es mit einer Klientin und einer Redakteurin des Evangelischen Kirchenfunks geführt.

Im Interview schilderte eine Mutter von drei Kindern aus der Region Hildesheim eindrücklich ihre Situation. Sie berichtete darüber, wie schwierig es ist, wenn eine Familie mit einem Alleinverdiener und knappem Einkommen ihre Lebenshaltungskosten bestreiten muss und gleichzeitig den Bildungsanforderungen und der Förderung von drei Kinder gerecht werden will. Während der Sendezeit stand eine eigens eingerichtete Hotline zur Verfügung, über die Gisela Sowa Anrufe von Hörer*innen unmittelbar entgegennahm.

Jahresempfang der Stiftung Familien in Not

Beim diesjährigen Jahresempfang am 21. Februar in der Hildesheimer Lukas-Gemeinde war der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne zu Gast.

Im Rahmen seines Vortrags über die aktuelle Bildungspolitik machte der Minister deutlich, dass für ihn Bildung nicht verhandelbar und kein Luxusgut sei. Sie müsse für alle gleichermaßen zugänglich sein. Teilhabe für Kinder und Jugendliche sei das Ziel aller seiner politischen Maßnahmen. In Bezug auf das Thema Inklusion sprach er sich dafür aus, den bisherigen Kurs beizubehalten – ungeachtet aller Schwierigkeiten. Ebenso betonte Tonne die zunehmende Wichtigkeit des Erziehungsauftrags der KiTas und die Relevanz des Themas Demokratie an unseren Schulen. Tonne bedankte sich für das Engagement der Stiftung Familien in Not, die seit 2005 Anlaufstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen ist.

Unterstützung für FiN

Die Hilfe für Familien in Not wird durch die Spenden von Einzelpersonen und Organisationen ermöglicht. Einige Förderer unterstützen FiN regelmäßig durch Geldspenden oder sachlich-praktische Unterstützung wie zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit. Daneben erhält FiN immer wieder Zuwendungen aus Trauerspenden, Jubiläen und Geburtstagen.

In diesem Jahr spendeten Abonnent*innen der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung für das Frauenhaus Hildesheim und für FiN zu gleichen Teilen. Der Spendenbetrag wurde vom Gerstenbergverlag aufgerundet. Superintendent Mirko Peisert nahm die Spende für FiN als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes entgegen und bedankte sich für die tatkräftige Unterstützung.

Zu Gast war die Stiftung Familien in Not in diesem Jahr beim Rotaract Club Hildesheim-Innerste, beim „Tag des Kindes“ der Firma Hempelmann Hildesheim und bei der diesjährigen Benefizgala „Vegas meets Sinatra“.

Alle Spenden, praktischen Hilfen und Kontakte sind für die Arbeit von FiN unverzichtbar. Sie ermöglichen konkrete und praktische Unterstützung in der täglichen Arbeit und sichern über die Stiftung langfristig Hilfen für Familien in Not in der Region Hildesheim.

 

FiN Jahresbericht 2019 als PDF zum Download